man findet uns ansonsten noch unter
soundcloud youtube facebook twitter E-Mail
Wenn ihr zu unserer Community gehören wollt müsst ihr uns nur bei einem dieser Socialnetworks followen, liken oder auch abonnieren! Jeder Kommentar wird zur Kenntnis genommen und bewerben könnt ihr euch bei uns auch! Wir suchen immer aktive Mitglieder ob Caster, Springer oder auch nur als Qualitätskorrektur, neue Mitglieder im Team sind immer willkommen. Schickt uns eure Bewerbungen an unsere E-Mail Adresse, wir freuen uns über jede!
Animeslam - der beste deutsche Animepodcast

Reviews

In this Corner of the World - Anime Review

Vor wenigen Wochen erschien der Preisabräumer In this Corner of the World auch in Deutschland. Zum ersten Mal sah ich diesen atemberaubenden Film auf der Nippon Connection im Mai und jetzt durfte ich ihn ein zweites Mal im Heimkino genießen. Was genau diesen Film so besonders macht, darum soll es in dieser Review gehen.

Es geht um ein junges Mädchen namens Suzu, die bei ihrer Familie in Hiroshima noch vor dem zweiten Weltkrieg aufwächst. Sie ist ziemlich tollpatschig, aber künstlerisch begabt und ehrlich gesagt macht auch ihre Tollpatschigkeit viel von ihrer Liebenswürdigkeit aus. So ging es wohl nicht nur mir, sondern auch ein Junge namens Shuusaku, der Suzu zu seiner Frau nehmen möchte. Suzu, gerade mal 19 und noch nicht wissend, was sie mit ihrem Leben überhaupt anstellen will, geht darauf ein und zieht zu seiner Familie in Kure. Das passiert im Februar 1944. Lange leben sie noch friedlich in Kure. Die erste Hälfte des Filmes geht eher auf das Leben von Suzu in dieser Umgebung ein, wie sie sich teilweise fremd fühlt und lange braucht, um auch eine wirkliche Liebe zu ihrem Ehemann aufzubauen und sich in seiner Familie zurechtzufinden. Gleichzeitig spürt man am Rande die Vorbereitungen auf den Krieg, der so langsam auch über Kure herfallen würde. Ab der Mitte des Filmes geschieht es: Die Amerikaner greifen Kure an. Regelmäßig gibt es Bombardements, wodurch Leute fortziehen, die Ressourcen dort knapper werden, aber Suzu, Shuusaku und die restliche Familie bleiben dort standhaft. Mehr zu verraten wäre nur ein Spoiler und das möchte ich ja nicht. Viel eher möchte ich, dass ihr diesen Film selbst seht.

In this Corner of the World ist überraschend gut gelaunt. Alle Figuren sind unheimlich sympathisch und auch das Charakterdesign lässt sie einfach liebenswert, knuffig, ein wenig kugelig aussehen. Es ist eine Familie mit viel Zusammenhalt. Alle helfen sich in Not, wollen wirklich nur das beste füreinander. Shuusakus Eltern zum Beispiel sind schon recht alt. Der Mann hilft noch beim Militär, obwohl er schon leicht zittrig ist und versucht seine Kenntnisse auch im Haushalt zu nutzen, um die Familie zu schützen. Die Mutter mit ihren Rückenproblemen zeigt dafür viel Geduld mit Suzu und hat Einsicht für ihre Tollpatschigkeit. Shuusakus Schwester hingegen wirkt anfangs vielleicht etwas unsympathisch, da sie die Protagonistin so anmotzt, aber das liegt nur an ihrem unheimlich vielen Pech mit ihrem Mann und ihren Schwiegereltern, der einfach ein wenig Stress bei ihr auslöst, worüber sie später hinweg sehen kann und selbst Geduld mit Suzu zu üben scheint. Eigentlich hat jeder überraschend viel Geduld mit Suzu übrig, was Suzu selbst weniger unsympathisch erscheinen lässt, als wenn sich jetzt jeder über sie aufregen würde. Alle lachen eigentlich entweder über sie oder mit ihr, mehr eigentlich sogar mit ihr, denn keiner von ihnen hat böse Absichten und Suzu selber weiß einfach, dass sie kein Geschick besitzt, macht aber das beste daraus. Auch sie kann etwas zustande bringen, sogar so was wie ihren eigenen Kimono nähen, wenn sie sich ordentlich ins Zeug legt. Auch selbst wenn der Krieg Kure heimsucht, bleiben die Figuren nett und ruhig. Sie sind teilweise sogar ziemlich genervt von den ganzen Bombardements und das Fliehen in den kleinen Bunker, den sie sich selbst gegraben haben, einfach weil es ihnen eine Menge Schlaf raubt. So gut sie können leben sie ihr normales Leben weiter.

Der Look des Films ist atemberaubend. Die Hintergründe strotzen nur so mit Details und alles wirkt so heimatlich und beruhigend. Die ganzen grünen Landschaften entspannen einfach, was mit dem langsamen Tempo des Films Hand in Hand geht. Jede Animation hat so eine gewisse Schwere, ein spürbares Gewicht, was das, wie ich vorhin schon erwähnte, kugelige Charakterdesign, gut unterstützt. Wobei dieses von Realismus dadurch etwas entfernter ist. Wer bei Anime generell Probleme hat, das Alter von Figuren einzuschätzen, der ist hier völlig verzweifelt. Schlechter macht das den Film aber keineswegs, es funktioniert nämlich einfach bei der spielerischen Natur der Erzählung.
Für Schlüsselszenen wird auch mal ein anderer Stil gewählt. Da Suzu gut zeichnen kann, werden einige Momente, die sie sich als Bild vorstellt, dem Zuschauer auch als Gemälde aus Wassermalfarben präsentiert. Manchmal verschmelzen diese Elemente auch mit dem eigentlichen Stil des Films, wo zum Beispiel der erste Angriff der Amerikaner stattfindet, sieht eigentlich alles normal aus, außer die Explosionen, die werden mit einem Pinsel auf das Bild geklackst. Das ist so ein kreativer Umgang mit dem Kriegsthema und passt so gut in die Frohnatur von Suzu, wo ein weiterer späterer Moment, der die düstere Wahrheit des Schreckens auf die Hauptfiguren herabregnen lässt, mit weißer Kreide auf schwarzem Hintergrund gezeichnet ist. Ein herrlicher Kontrast zu der Frohnatur. Damit will ich nur sagen, dass einige stilistische Mittel des Films den Ton, der in der Erzählung gerade herrscht, herausragend unterstreichen.
Bei der Präsentation sei auch kurz der Soundtrack erwähnt. Größtenteils hält er sich zurück und ist vielleicht auch etwas, was man eher schnell vergisst, bis auf die Lieder mit Vocals. Die sind, wie nun mal alles in dem Film, ruhig und langsam, aber auch einfach wunderschön gesungen, mit einer sehr überragenden Frauenstimme, die aber auch etwas verträumt wirkt, was zu Suzus Charakter passt.

Im Abschnitt eben erwähnte ich ja auch schon, dass In this Corner of the World eher ruhig und langsam ist. Das ist etwas, was mir nach dem ersten Mal schauen auf der Nippon Connection im Mai sehr stark in Erinnerung blieb und mich auch längere Zeit davon abhielt, den Film für diese Review noch einmal zu schauen, aber beim zweiten Mal war es wie im Fluge vorbei. Ich kann jetzt leider nicht beurteilen, ob es wirklich am Film liegt, dass er beim zweiten Mal einfach mehr Spaß macht, vielleicht weil man auf mehr Details der Figuren achtet, mehr auf ihre Dialoge hört, mehr auf ihr Character Acting achtet, aber ich denke, das kann man auch alles beim ersten Mal schon mitnehmen. Vielleicht liegt es an der fantastischen deutschen Synchronisation, da ich jemand bin, bei dem einige Dialoge viel tiefer sitzen, höre ich sie in meiner eigenen Sprache und muss sie keinen Untertiteln entnehmen. Das Drehbuch ist neben ein paar Übersetzungsfehlern wie zum Beispiel “Verlorenes Kind”, was eine wortwörtliche Übersetzung davon ist, wie man in Japan “Hast du dich verlaufen?” ausdrücken würde, eigentlich sehr glaubhaft, sowie die Leistung der Sprecher durchgehend spitze ist. Also wirklich spitze, denn teilweise fiel mir gar nicht mal so wirklich auf, dass ich beim zweiten Mal auf Deutsch schaue. Die Synchronisation steht dem japanischen Original in Nichts nach. Gerade Luisa Wietzoreks Leistung als Suzu ist unsagbar überzeugend, auch da sie es schafft, die kindliche und erwachsenere Suzu stimmlich gut zu trennen, aber auch nur geringfügig, sodass es mir auch erst später auffiel, wenn ich nochmal darüber nachdachte.

Alles in allem kann ich In this Corner of the World jedem nur ans Herz legen. Es ist eine entschleunigte und wunderschöne Familiengeschichte während der tragischen Zeit des zweiten Weltkrieges. Mit kreativen Stilmitteln, einem gemütlichen Soundtrack und einer tollen deutschen Synchronisation führt in meinen Augen nichts an diesem Film vorbei.

InthisCorneroftheWorld(01).jpgInthisCorneroftheWorld(02).jpg

© Fumiyo Kouno/Futabasha/Konosekai no katasumini Project 

Typ: Film
Release: November 12., 2016
Producers: MAPPA
Genre: Drama, Historisch, Komödie
weitere Reviews und News