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Reviews

The Twelve Kingdoms - Anime Review

Epische Fantasy mit viel Charakterentwicklung

Die Geschichte von „The Twelve Kingdoms“ kommt einem sofort ziemlich bekannt vor. Die Helden verlassen unsere normale Welt und landen in einer chinesisch anmutenden Fantasy-Welt, in der sie überleben und Abenteuer bestehen müssen. Die Idee gab es schon oft genug, sowohl in der Literatur als auch in der Welt der Manga und Anime. Also was ist an diesem Werk anders? Die Handlung ist zwar gut, aber im Grunde nichts, was man als Fantasy Liebhaber nicht schon kennt. Die Produktionsqualität kann sich dank der Arbeit von Studio Pierrot durchaus sehen lassen, aber abgesehen von der Musik ist der Anime seinen Zeitgenossen künstlerisch nicht wirklich voraus. Die Antwort, für mich, liegt in der gelungenen Mischung aus Weltaufbau und Charakterentwicklung. Diese Zutaten harmonieren so gut miteinander, dass etwas wahrlich Großgartiges dabei herauskommt.

Story

Die Oberschülerin Yōko erhält eines Tages Besuch von einem Mann namens Keiki, der sich mitten im Klassenzimmer vor ihr niederwirft und ihr die Treue schwört. Yōko hat kaum Zeit für Verwirrung, denn ein riesiges Vogelmonster greift ihre Schule an und Keiki flieht mit ihr und zwei ihrer Klassenkameraden in die Welt der Zwölf Königreiche. Doch die Schüler und Keiki werden kurz nach ihrer Ankunft getrennt und Yōko muss sich alleine durch die fremde Welt schlagen. Die Bestimmung hat Großes vor mit unserer Protagonistin. Sie muss die Herrschaft über ein ganzes Land antreten und bis sie ihr Schicksal erfüllen kann, muss sie viele Zweifel, Hindernisse und Gefahren überwinden. Dabei folgt die Handlung nicht nur allein Yōko, sondern schweift gelegentlich für längere Zeit ab, um sich mit anderen Charakteren zu beschäftigen. Einige dieser Geschichten stehen allein und andere wiederum verbindet die Handlung später miteinander. Bis dahin vergeht allerdings einiges an Zeit und die Erzählung lässt den Zuschauer anfangs in vieler Hinsicht im Dunkeln. Die Ohnmacht der Neuankömmlinge in diesem fremden Land trifft so auch den Zuschauer.

Der Schauplatz selbst ist dabei eine Hauptfigur. Die Welt basiert auf chinesischer Mythologie und Philosophie und unterliegt festen Regeln. Magie findet man hier nicht in Zaubersprüchen und Feuerbällen, sondern eher in der Natur. Die Zwölf Königreiche bestehen aus Inseln und Kontinenten, die achsensymmetrisch im Quadrat angeordnet sind. In der Mitte liegt ein heiliger Berg, Geburtsstätte der Kirin: magische Wesen von reiner Natur, deren Aufgabe es ist die Könige der Zwölf Reiche zu bestimmen und ihnen zu dienen. Der König eines Reiches und sein Hof aus Beamten erlangen durch ihre Ämter Unsterblichkeit. Solange die Herrschaft eines Königs gut ist, kann ein Reich viele Jahrhunderte lang Wohlstand genießen. Aber schlechte Herrschaft oder ein fehlender König führen zu Naturkatastrophen und vermehrten Angriffen durch Monster. Diese magischen Naturgesetze des 'Himmels', also der Weltordnung, gelten bis in die Bereiche des Privatlebens. So können Frauen keine Kinder gebären. Vielmehr bittet ein Ehepaar an einem Lebensbaum den Himmel um Nachwuchs. Erhört der Himmel ihren Wunsch, wächst am Baum in einer Frucht ein neues Kind heran. Durch ein solches Regelwerk wirkt die Welt exotisch und fremdartig und bleibt gleichzeitig überschaubar und durchstrukturiert. Die Welt hat ein Grundgerüst, das allgegenwärtig ist. Die Geschehnisse der Handlung fügen sich diesen Regeln und die Welt wird dadurch glaubhaft und lebendig.

Obwohl die Hauptgeschichte um Yōko größtenteils zum Abschluss kommt, bleiben einige Nebenhandlungsstränge unvollendet. Die Romanvorlage von Ono Fuyumi wird leider nicht voll ausgeschöpft und nach dem Ende des Anime mag es den Zuschauer nach mehr verlangen. Man kann nur hoffen, dass wir irgendwann eine neue Fassung oder eine Fortsetzung der Geschichte bekommen.

Charaktere

Es leben eine große Vielfalt an Gestalten in den Zwölf Königreichen, von einfachen Bauern bis hin zu magischen Wesen und Unsterblichen. Auch wenn größtenteils machtvolle Personen aus dem Adel die Geschichte vorantreiben, findet man die wirklich bedeutenden Charaktere meist unter den einfachen Leuten. Und einige der Nebencharaktere beschreiten einen ähnlichen langen und beschwerlichen Weg wie unsere Protagonistin Yōko.

Die hat zu Anfangs wenig Charakterstärke und die Mühen und Gefahren ihrer Reise machen ihr schwer zu schaffen. Sie wird geplagt von Visionen, die an ihrem Selbstvertrauen nagen und sie verzweifelt an der Grausamkeit der fremden Welt. Bald fällt sie in einen Strudel aus Hilflosigkeit und aggressiven Misstrauen und läuft Gefahr ihre Menschlichkeit zu verlieren. Ihr Frust und ihre Verzweiflung übertragen sich auch auf den Zuschauer, denn ihre Reise zieht sich schmerzhaft in die Länge – was die letztendliche Wende aber umso lohnender macht. Yōko wird nicht einfach nur erwachsen, sie wird mit der Zeit wortwörtlich zu einem besseren Menschen. Und auch wenn man glaubt ihre Entwicklung sei abgeschlossen, stellt sich heraus, dass es immer noch viel gibt, das sie lernen muss. Es gibt deutliche Parallelen zu Yōkos Leidensweg in den Geschichten von zwei weiteren wichtigen Charakteren, der Prinzessin Shōkei und der Dienerin Suzu. Das unvermeidliche Zusammentreffen und die Verschmelzung dieser drei langen Handlungsstränge ist ein Höhepunkt der Geschichte.

Wichtig für den Werdegang dieser Charaktere ist die jeweilige Begegnung mit dem jungen Bauernsohn Rakushu. Rakushu ist eine mannshohe Maus, ein Tiermensch, der auch menschliche Gestalt annehmen kann. Obwohl er aus armen Hause ist, ist er sehr belesen und weise für sein Alter. Er verkörpert das moralische Grundgestein der Geschichte und öffnet anderen die Augen für das Gute in der Welt. Rakushu ist auch für den Zuschauer ein wichtiger Ausgleich, denn er sagt den Protagonisten ziemlich genau das, was dem Zuschauer so oft auf der Zunge liegt bei den vielen Irrungen und Wirrungen unserer Helden.

Die Charaktere von „The Twelve Kingdoms“ können sehr anstrengend sein und ihr Schicksal kann einem durchaus auf das Gemüt schlagen. Wer aber durchhält, den belohnt der Anime mit wunderbar ausgearbeiteten und tiefgründigen Figuren, die man während ihre langen Reise manchmal hasst aber am Ende doch sehr schätzen lernt.

Optik

„The Twelve Kingdoms“ wurde zwischen den Jahren 2002 und 2003 im japanischen Fernsehen ausgestrahlt, zu einer Zeit in der man viele Anime noch im Vollbildformat produzierte. „The Twelve Kingdoms“ ist da keine Ausnahme. Computereffekte waren schon weit genug fortgeschritten um seltener störend aufzufallen und das Anime Geschäft wuchs stetig, was höhere Produktionsqualität mit sich brachte.

Das Animationsstudio Pierrot sorgt bei den Zwölf Königreichen für durchgehende gute Zeichnungen und Animationen, auch wenn gelegentlich die Qualität etwas schwankt und seltener kleine Animationsfehler auftreten. Das Charakterdesign geht dabei mehr in eine erwachsene Richtung, ohne der Schwerkraft trotzenden Haarprachten und ohne gigantische Augen. Farblich bietet der Zeichenstil eine breit gefächerte, aber leicht gedämpfte Palette, die bei den Schattierungen teils starke Kontraste verwendet. Das Design der Landschaft, Behausungen und Kostüme orientiert sich an chinesischen Stilen aus Frühzeit und Mittelalter. Lehmbauten und Pagoden, Arbeitskleidung, prunkvolle Gewänder und Schmuck, alles ist nach einer Machart, die einen an alte chinesische Kulturen erinnert. Bei den Fabelwesen greifen die Macher der Serie tief in die Kiste fernöstlicher Mythologie und erschaffen originelle Kreaturen aus Vögeln, Schildkröten, Tigern, Wölfen und Affen. Einige hübsch anzuschauen, andere fremdartig oder furchterregend. Die Welt ist vollgestopft mit Details und die Serie schafft es dabei, visuell wie aus einem Guß zu wirken. Dank der konsequenten künstlerischen Leitung kommt damit eine richtig dichte Atmosphäre auf.

„The Twelve Kingdoms“ ist kein vollendetes fünf Sterne Gericht der Animationskunst, aber es ist ein durchweg gelungener optischer Leckerbissen. Er fügt seine Themen, seine Darsteller und das Bühnenbild zu einem großen Ganzen zusammen und kommt mit seinen ganz eigenen Geschmack daher.

Sound

Wenn es etwas gibt, für das man „The Twelve Kingdoms“ mit Lorbeeren schmücken sollte, dann ist das seine Musik. Der Komponist Ryō Kunihiko schafft es zu jedem Thema der Geschichte ein passendes Stück zu präsentieren und trotzdem Abwechslung bei den Musikstilen zu bieten. Chinesische Instrumente sind prominent vertreten, was nicht weiter verwunderlich ist, jedoch gibt es auch Stücke mit Synthesizer Einsatz und sogar sakralen Chorgesang. Obwohl der chinesische Einschlag sehr stark ist, taugt der Soundtrack auch als generelle Fantasy-Musik. Und bei dieser Vielseitigkeit behält die Musik dennoch ihren eigenen Charakter, mit Melodien, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Viele der Stücke bleiben einem lange im Ohr und manchmal reichen nur wenige Töne aus, um Szenen aus der Serie vor dem geistigen Auge hervor zu beschwören. Die langsamen Stücke mit akustischer Gitarre, Flöte und Klavier sind besonders gelungen.

Wie so häufig bei einer Romanserie als Vorlage, ist der Anime ziemlich dialoglastig. Dazu kommen eine große Menge an Charakteren. Die Macher schaffen es jedoch selbst die kleinste Nebenrolle mit überzeugenden Sprechern zu besetzen. Unter den Originalsprechern tummeln sich einige bekannte Namen aus der Welt der japanischen Seiyū. Die Rolle von Yōko zum Beispiel übernimmt Aya Hisakawa, die schon damals ein Veteran im Geschäft war. Bemerkenswert ist, wie sie es schafft Yōkos Transformation und Wachstum auch in ihrer Stimme deutlich zum Ausdruck zu bringen. Dank der guten Dialogregie ist es oft schon ein Genuss den Sprechern einfach beim Reden zuzuhören, was bei den häufigen, teils langen Gesprächen sehr gelegen kommt.

Die Musik und die Sprecher von „The Twelve Kingdoms“ bereichern die Erzählung ungemein und wenn die Story das Herz ist, kann man den Ton zurecht als die Seele der Geschichte bezeichnen.

Fazit

Bei mir sitzt „The Twelve Kingdoms“ auf einem besonderen Platz, bei dem höchstens Serien wie „Berserk“ und „Guardian of the Spirit“ vorbeischauen dürfen. Wer lange, epische Geschichten mag, ist hier bestens bedient. Der Anime macht es dem Zuschauer allerdings nicht immer einfach. Die wahren Stärken der Serie offenbaren sich nur langsam und man muss Geduld mit den Charakteren zeigen. Doch lässt man sich auf die Story ein, erkennt man bald das Besondere an der komplexen Mixtur. „The Twelve Kingdoms“ haben vor über zehn Jahren einen Maßstab gesetzt, an dem sich heutige Werke noch messen müssen und stehen für mich an der Spitze der Fantasy Anime. Auch wenn es viele würdige Anwärter auf den Thron gibt, so hat es bisher noch keiner geschafft Ono Fuyumis Geschichte von meiner Nummer Eins herunterzustoßen.

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Typ: TV
Episoden: 45
Status: Finished
Release: April 09., 2002
Producers: Studio Pierrot
Genre: Action, Adventure, Fantasy
SoundCloud / YouTube




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